Europa verfügt über alles, was notwendig ist, um weltweit führend in Technologie und Innovation zu sein. Der Kontinent hat hochqualifizierte Talente, starke Universitäten, wachsende Startup-Hubs und einen zunehmend reifen Investitionsmarkt. Dennoch bleiben europäische Startups strukturell hinter ihren amerikanischen Pendants zurück. Nicht wegen mangelnden Ehrgeizes, sondern aufgrund eines grundlegenden Problems: Europa ist fragmentiert.
Während ein Startup aus Kalifornien ohne nennenswerte Hürden in allen fünfzig US-Bundesstaaten expandieren und Kapital aufnehmen kann, stoßen europäische Gründerinnen und Gründer an nationale Grenzen, sobald sie international wachsen wollen. Unterschiedliche Rechtsformen, divergierende Investitionsstrukturen und komplexe Regulierung machen paneuropäische Skalierung unnötig teuer und langsam. Die EU–INC (European Incorporated Company) soll hierfür eine strukturelle Lösung bieten.
Was ist die EU–INC (European Incorporated Company)?
Die EU–INC ist ein Vorschlag für eine einheitliche paneuropäische Rechtsform für Startups und Scale-ups, auch bekannt als das „28. Regime“. Dieses Regime fungiert als eine virtuelle europäische Rechtsebene oberhalb der bestehenden 27 Mitgliedstaaten.
Ziel der EU–INC ist es nicht, nationale Gesetzgebungen zu ersetzen, sondern Startups eine einheitliche rechtliche Grundlage zu geben, mit der sie unmittelbar im europäischen Binnenmarkt operieren können. Dies reduziert rechtliche Komplexität und senkt die Hürden für grenzüberschreitendes Wachstum.
Der Kern des Vorschlags umfasst:
- Eine einheitliche paneuropäische juristische Einheit für Startups
- Eine zentrale EU-weite Registrierung
- Standardisierte Investitionsdokumentation
- EU-weit harmonisierte Mitarbeiterbeteiligungsprogramme (ESOPs)
- Beibehaltung nationaler Steuer- und Arbeitsgesetze
Warum eine europäische Startup-Rechtsform notwendig ist
Die bestehende Fragmentierung der europäischen Regulierung stellt einen strukturellen Wettbewerbsnachteil dar. Startups, die in mehreren EU-Ländern tätig sein wollen, sehen sich konfrontiert mit:
- Unterschiedlichen Gründungsvoraussetzungen
- Nationalen Unterschieden in Gesellschafter- und Beteiligungsstrukturen
- Komplexen Regelungen zur Mitarbeiterbeteiligung
- Hohen rechtlichen und administrativen Kosten
Dies steht im Widerspruch zur Realität moderner Technologieunternehmen, die von Beginn an international agieren. Ohne eine paneuropäische Startup-Rechtsform bleiben europäische Unternehmen hinter Wettbewerbern aus den Vereinigten Staaten und Asien zurück.
Auch auf politischer Ebene wächst das Bewusstsein für den Reformbedarf.
Im Oktober 2024 erklärte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen:
„A startup from California can expand and raise money all across the United States. But our companies still face way too many national barriers that make it hard to work Europe-wide, and way too much regulatory burden.“
Diese Aussage unterstreicht, warum die EU–INC nicht nur eine Initiative aus dem Startup-Ökosystem ist, sondern ein strategisch relevantes wirtschaftspolitisches Vorhaben für Europa.
EU–INC und das 28. Regime: von der Idee zur Politik
Was die EU–INC von früheren Harmonisierungsversuchen unterscheidet, ist die Tatsache, dass der Vorschlag inzwischen Teil des formellen politischen Prozesses in Brüssel ist. Die Initiative wurde in Zusammenarbeit mit führenden Startup-Rechtsteams, Investmentfonds und Gründerinnen und Gründern aus ganz Europa entwickelt.
Bisher wurden unter anderem folgende Schritte unternommen:
- Einreichung des Vorschlags bei der EU-Kommissarin für Justiz
- Einbindung der Startup-Kommissarin
- Einrichtung einer speziellen Arbeitsgruppe innerhalb der Europäischen Kommission
- Bekundetes Interesse seitens des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rates
In Brüsseler Politikkreisen wird die EU–INC inzwischen ausdrücklich als ernstzunehmende Ausgestaltung des 28. Rechtsregimes für Europa betrachtet.
Fazit: Die EU–INC als Fundament für einen europäischen Startup-Markt
Die EU–INC bietet Europa eine einzigartige Chance, rechtliche Fragmentierung nachhaltig zu überwinden und einen integrierten Markt für Startups zu schaffen. Der Vorschlag ist konkret, politisch relevant und breit im Ökosystem verankert. Europa hat das Talent und den Ehrgeiz. Mit der EU–INC können auch die Spielregeln endlich europäisch werden.












